Hier ist nochmal Leo's Bericht oben auf Deutsch:
Yusuf
Zurück im alten JugendzimmerVon: Samir H. Köck
Der Mann, der einst Cat Stevens hieß, singt wieder weltlichere Lieder. Zweieinhalb Jahre nach seinem Comeback mit An Other Cup bringt er sein neues Werk Roadsinger. now! war zu einer Audienz in London geladen.
„Sie können sich glücklich preisen“, meint der pakistanische Taxifahrer im Londoner Verkehrsgetümmel, als er das Ziel der Fahrt erfährt. Mit erhobener Stimme setzt er fort: „Wissen Sie, ich denke schon so lange darüber nach, wie man George Michael helfen könnte. Er ist so ein guter Sänger, aber total vom Weg abgekommen. Sie haben Zugang zu Yusuf, sagen Sie ihm doch, dass er ihn zum Islam bekehren soll. Ich glaube, nur das kann ihm helfen. George Michael ist sicher auch nicht schwul. Wenn er wirklich schwul wäre, warum ist er dann so unglücklich und nimmt Drogen?“ Lange Zeit glaubten auch die Fans von Cat Stevens, dass es sich bei seinem Bekenntnis zum Islam nur um einen Tick handelte, dessen Konsequenzen nicht zu groß sein würden. Die dramatische Lebenswende kam überraschend. 1977 schwamm der erfolgreiche englische Singer/Songwriter an einem strahlenden Tag alleine den blauen Pazifik hinaus. Plötzlich verließen ihn die Kräfte, Strömungen rissen an ihm, jähe Todesangst kam auf. Schnell war ein Gebet auf den Lippen: „Lieber Gott, wenn du mich rettest, dann schwöre ich, werde ich dir den Rest meines Lebens dienen!“ Kaum hatte er diese Worte in höchster Bedrängnis herausgepresst, spülte ihn eine große Welle an Land zurück. Es sollte dennoch die letzte Stunde von Cat Stevens sein.
Der Mann, der am Strand bibberte und nach Luft rang, nannte sich fortan Yusuf Islam. Am 22. November 1979 gab Cat Stevens sein letztes Konzert in der Wembley Arena. Am Höhepunkt seiner Karriere, während der er etwa 40 Millionen Alben verkaufte, zog sich der Meister der stillen Klänge zurück. Ein herber Verlust für seine Fans und für die Musik, schließlich legte der in sich gekehrte Künstler auch seine Gitarre vermeintlich für immer weg. Fortan beschäftigten ihn religiöse Probleme und der Aufbau seines islamischen Schulprojekts. 2006 kehrte Cat Stevens als Yusuf mit beinahe weltlichem Liedgut auf An Other Cup in die Popmusikarena zurück. Im Zuge seiner religiösen Studien hatte er eingesehen, dass die Gitarre keineswegs ein Instrument des Teufels ist, sondern sogar aus der arabischen Kultur via Spanien nach Europa kam. Das ermunterte ihn, wieder nach ihr zu greifen und sein erstes Popalbum seit 28 Jahren zu kreieren. Yusuf nahm ein nach dem Reinheitsgebot seines Glaubens korrektes Album auf. Zweieinhalb Jahre später legt er nun mit Roadsinger das entschieden gehaltvollere Nachfolgealbum nach: zehn fragile Songs, auf denen er mit beseeltem Gesang und wohltemperiertem Gitarrespiel verwöhnt.
Yusuf empfängt uns im Red Room, einem Nachbau seines Jugendzimmers, zum Gespräch. „Ursprünglich war das jener Raum, den mir mein Vater oberhalb seines Restaurants einräumte“, erzählt er. „Das war in den wilden Sixties. Ich strich die Wände rot, weil ich das in einem Film mit Marianne Faithfull und Mick Jagger gesehen hatte. Ich glaube, er hieß Performance. Dieser Ort war mein Refugium. Dort schrieb ich so viele heute berühmte Lieder, etwa ,Lady D’Arbanville’, ,Matthew And Son’ und ,Wild World’. Auf meine Homepage ist der Red Room heute jener Teil, der am häufigsten angeklickt wird. Und bei mir zu Hause habe ich mir mein Jugendzimmer ebenfalls nachgebaut. All meine neuen Songs entstehen in diesem Raum.“ Themenwechsel. Wie hat eigentlich die islamische Glaubensgemeinde auf seine Rückkehr zur Popmusik reagiert? Yusuf zeigt einen Anflug von Schmunzeln: „Da gab es manche, die sagten, ich hätte den Pfad der Religion nun verlassen. Man muss das verstehen. Es gibt auch große kulturelle Unterschiede innerhalb der islamischen Welt. In Afghanistan würde ich sicher als ungläubig gelten. Aber die überwältigende Mehrheit der Muslime hier in England war begeistert.“ Die Popmusikliebhaber waren geteilter Meinung. Während seine größten Fans den sanften Duktus, die melodische Weichheit und die spirituellen Botschaften schätzten, bekrittelten andere, dass An Other Cup nur einen schalen Aufguss früherer Grandezza darstellte. Mit dem neuen Album scheint Yusuf aber wieder auf die Betriebstemperatur seiner besten Jahre zu kommen. Er nippt an einem Tässchen Tee und holt aus: „Viele Menschen meinten zu An Other Cup, dass sie gerne mehr Gitarre gehört hätten. Roadsinger ist gewissermaßen die Antwort drauf. Es markiert die Rückkehr zum Minimalismus meiner frühen Alben. Das erste Lied ,Welcome Home’ ist übrigens aus einer vergessenen Demoaufnahme aus den 1960ern entstanden.“
Eine noch viel umfassendere Schau des Werkes von Cat Stevens alias Yusuf wird das Musical Moonshadow bieten, das im Herbst im Londoner West End Premiere haben wird. Yusuf wird euphorisch: „Es beinhaltet mehr als dreißig alte und neue Hits von ,Peace Train’ bis ,Morning Has Broken’. Es berichtet von einer ,World O’ Darkness’ [so der Titel eines der neuen Songs auf Roadsinger - Anm. d. Red.]. Der Held heißt Stormy und ist ein kleiner Rebell. Er ähnelt ein wenig mir in jüngeren Jahren.“ Den Titelsong hat einst auch Soul-Sängerin Patti Labelle mit ihrer Gruppe Labelle interpretiert. „Ich kann mich erinnern“, sagt der Komponist. „,Moonshadow’ ist ja fast kinderliedartig komponiert. Deshalb überraschte mich diese entschieden funkige Version von Labelle. Ich mochte sie sehr. Die Botschaft dieses Songs hat immer noch viel Kraft. Durch unsere materielle Sicht der Existenz beschränken wir so viel in uns. Dabei wäre es wichtig, am Spirituellen zu arbeiten, denn unsere spirituelle Verfassung bestimmt auf vielerlei Art, was wir erleben.“ Ins Musical werden neben „World O’ Darkness“ mit „Be What You Must“ und „This Glass World“, wo der Protagonist entlang der Straße des Lebens von den mannigfaltigen exotischen Düften verführt wird, noch zwei weitere Songs des neuen Albums integriert.

Apropos Reisen: 2004 wurde Yusuf die Einreise in die USA verwehrt. Trotzdem würde er sich über eine Inszenierung von Moonshadow am Broadway freuen: „Das wäre auf jeden Fall ein Thema, zumal es schon Interessenten gibt. Außerdem war ich ja in der Zwischenzeit schon wieder ein paar Mal in den USA.“ Spricht’s und spielt spontan eine bebende Version von „Be What You Must“. Die Saiten seiner akustischen Gitarre schlägt er mit einem Plektrum an, auf dem „All Things Must Pass“ (nach George Harrisons Debütalbum) steht. Ein hübscher Widerspruch in einem der Vergangenheit nachgebauten Jugendzimmer. „Für mich war George Harrison deshalb so wichtig, weil er als einer der ersten Popmusik als Vehikel für soziale Hilfeleistungen nützte“, sagt Yusuf abschließend. „Ich erinnere nur an sein berühmtes Concert For Bangladesh in den 1970ern. Jetzt habe ich seinen Song ,The Day The World Gets Round’ für eine Benefizsingle für die UNO gesungen. Ich hoffe, dass er ein wenig dazu beiträgt, uns zu besinnen.“
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